Ein neuer Rahmenvertrag zwischen der Verwertungsgesellschaft (VG) Wort und der Kultusministerkonferenz sorgt derzeit bei Studierenden und Hochschulen bundesweit für Sorgen und Unverständnis. Bisher wurden die vielen Texte, die für die Seminare gelesen werden müssen, online auf Portalen der Universitäten zur Verfügung gestellt und konnten bequem – auch zu Hause – heruntergeladen werden. Doch diese Situation soll sich jetzt drastisch ändern: Ab Anfang 2017 entfällt die Pauschalabgabe für solche Texte und wird durch eine Einzelabrechnung ersetzt. Konkret müssen daher in Zukunft alle Texte, die online gestellt werden sollen, geprüft und gemeldet werden – ein erheblicher bürokratischer Aufwand, der im Endeffekt dazu führen wird, dass keine oder kaum noch Texte online verfügbar sein werden. Bereits jetzt kündigen Dozenten an, dass sie bis zum Jahresende alle Texte aus den Onlineportalen entfernen werden.
„Die Leidtragenden sind dann die Studierenden“, so Erik Schöller, Landesvorsitzender der Jusos Rheinland-Pfalz. Auf diese komme nicht nur ein großer zusätzlicher Aufwand und lange Wartezeiten vor dem Kopierer zu, sondern es werde vor allem die Qualität der Lehre leiden, ist sich Schöller sicher. „Wir sind überzeugt, dass der möglichst gebühren- und barrierefreie Zugang zu guter Bildung von höchster Bedeutung für eine Gesellschaft ist.“
Die derzeitige Regelung sei zudem nicht nur für alle Beteiligten bequemer, sondern auch umweltfreundlicher und spare Kopierkosten. Außerdem gehe man davon aus, dass gerade die Wissenschaftler ein erhöhtes Interesse daran hätten, dass ihre Schriften gelesen werden und ihre Theorien Verbreitung finden. Man sehe daher keinen Grund für die angekündigte Änderung des Rahmenvertrages. „Nach unserer Auffassung bedeutet das eine Verschlechterung der Situation für alle Betroffenen.“
Die Jusos fordern daher eine Neuverhandlung des Rahmenvertrages und wünschen sich einen Diskurs darüber, wie die Digitalisierung für die Verbesserung der Qualität der Bildung in allen Bereichen genutzt werden kann. „Wir verstehen Digitalisierung als einen Prozess, der viele Chancen mit sich bringt, wenn er aktiv und sozial gerecht gestaltet wird – und genau das wollen wir tun. Der neue Rahmenvertrag zwischen VG Wort und Kultusministerkonferenz bedeutet jedoch einen Schritt zurück in Richtung Steinzeit“, so Schöller abschließend.