Warum das Streiten für gleiche Bezahlung längst nicht reicht

Eines Tages am 18.03. werde ich mich richtig freuen. Denn eines Tages werden wir erreicht haben, dass Frauen endlich genau soviel verdienen wie Männer. Und deshalb werden wir am 18.03. auch keinen Equal Pay Day mehr veranstalten müssen.

Equal Pay Day, der Tag der gleichen Bezahlung. Der Tag an dem Frauen rechnerisch auf das Jahresgehalt kommen, dass Männer bereits am 31.12. erreicht haben, denn durchschnittlich verdienen Frauen immer noch rund ein Fünftel weniger.

Die Gründe dafür sind vielfältig.

 

Mach es wie ein Mann!?

Immer noch ist die Berufswelt von Geschlechterstereotypen durchdrungen. So scheint es eben die typischen Männerberufe und Frauenberufe zu geben: Männer arbeiten im Technikbereich und mit schweren Geräten. Sie jonglieren mit Zahlen und basteln am Computer. Frauen sind treusorgende Pflegekräfte, kompetente Sekretärinnen und Friseurinnen oder die liebe Erzieherin im Kindergarten. So weit das Klischee? Nein. Viele Studien können den Mythos der geschlechterspezfischen Berufe bestätigen und zeigen auch, dass die typischen „Frauenberufe“ schlechter bezahlt werden als eher von Männern gewählte Anstellungen.

Eine Lösung scheint sich deshalb geradezu aufzudrängen: Wählt als Frau doch einfach einen Männerberuf! Dieses Ziel hat auch der jährliche Girls Day, mit dem man schon jungen Mädchen

diese Option schmackhaft machen möchte.

Generell ist das natürlich keine schlechte Idee, denn Geschlechterklischees müssen bekämpft werden. Doch Studien zeigen auch: Wenn der Frauenanteil in einem Beruf steigt, sinkt der Durchschnittslohn. Auch die Arbeitsteilung in geschlechterparitätisch besetzten Berufen ändert sich.

Männer übernehmen eher Führungsaufgaben, Frauen arbeiten eher zu.

„… und ich führe ein erfolgreiches, kleines Familienunternehmen!“

Auch die Gründe hierfür sind erschreckend logisch. Es sind immer noch die Frauen, die die Familienunternehmen managen. Sie leisten traditionell den Löwenanteil bei der Erziehung der Kinder oder der Pflege von Angehörigen und halten das Haus in Schuss. Geld verdient wird in Teilzeit oder auf Minijob-Basis. Finanziell macht das oft auch nichts, denn es gibt ja das Ehegattensplitting. In Teilzeit wird man aber eben auch keine Chefin und auch das Risiko für Altersarmut tragen aus diesen Gründen tendenziell eher Frauen.

21% mehr Gehalt – 100% Wertschätzung

Um die Ungleichheit bei Gehältern zu bekämpfen muss man die gesellschaftlichen Strukturen insgesamt aufbrechen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist nur der erste Schritt. Geschlechterstereotype in Berufswelt wie Privatleben müssen aufgebrochen werden – und das erreicht man durch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Nur mit fairen, kinderfreundlichen Karriereoptionen, bekommt man auch Männer dazu, Familienverantwortung zu übernehmen. Und dazu gehört eben auch, die Haus- und Familienarbeit gesellschaftlich mehr wertzuschätzen. Denn Menschen sollten nicht nur das gleiche Gehalt verdienen, sondern auch die gleiche Anerkennung erhalten, egal mit welcher Art von Arbeit sie etwas beitragen.

von Denise Leonhardt

Foto: Metropolico.org